Der Vorfall an der Ernst-Reuter-Schule in Groß-Umstadt, bei dem Hakenkreuze, SS-Runen und weitere verfassungswidrige Symbole an die Schulwände geschmiert wurden, hat viele Menschen in unserer Region erschüttert. Auch Wochen danach ist die Verunsicherung durch den Vorfall nach wie vor spürbar.
„Das war kein harmloser Streich, sondern ein gezielter Angriff auf unsere demokratischen Werte und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Mirjam Glanz, Fraktionsvorsitzende der Grünen Kreistagsfraktion. Der Vorfall reiht sich in einen bundesweiten Trend ein: Laut dem Hessischen Kultusministerium ist die Zahl der gemeldeten rechtextremen Vorfälle an Schulen von 39 im Jahr 2023 auf 159 im Jahr 2025 gestiegen – eine mehr als vierfache Steigerung innerhalb von zwei Jahren.
Eine konsequente Strafverfolgung genügt hier nicht allein. „Entscheidend ist, junge Menschen von vornherein gegen rechtsextreme Ideologien zu wappnen. Das gelingt durch gelebte Demokratieerfahrung, nicht nur im Unterricht, sondern auch im Verein oder in der Jugendarbeit“, so Glanz. „Wer erlebt, dass die eigene Stimme zählt, ist weniger anfällig für die einfachen Antworten von Extremisten.“
Deshalb sieht der Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN für die nächste Kreistagssitzung des Landkreises vier Maßnahmen vor, die demokratische Prinzipien erlebbar machen und das Demokratieverständnis von Schülerinnen und Schülern fördern. Dazu gehört der systematische Ausbau verlässlicher Strukturen für Jugendbeteiligung sowie die Erarbeitung eines Pilotprojekts, das politische Entscheidungsprozesse für Schülerinnen und Schüler indirekt erlebbar macht. „Mit dem Pilotprojekt sollen junge Menschen erleben, wie Kreistagsbeschlüsse zustande kommen und was sie mit ihrer eigenen Lebenswelt zu tun haben. Politik wird nicht von denen da oben gemacht, sondern lebt von der Beteiligung eines jeden Einzelnen. Das stärkt das Verständnis für Demokratie und Mitbestimmung“, betont Glanz.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die DEXT-Fachstelle für Demokratieförderung und Extremismusprävention des Landkreises. Sie berät kostenfrei, organisiert Informationsveranstaltungen und Workshops und vernetzt relevante Akteure. Nun soll die Zusammenarbeit mit den Schulen gezielt ausgebaut werden. Gleiches gilt für die Vernetzung zwischen Schulen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die eine wichtige Rolle bei der Extremismusprävention direkt vor Ort spielen. „Zivilgesellschaftliche Initiativen wie OMAS GEGEN Rechts und Bunt ohne Braun Darmstadt Dieburg wirken präventiv, indem sie demokratische Werte stärken, soziale Ausgrenzung verringern und Menschen beteiligen. Durch ihre Nähe zur Lebenswelt der Menschen vor Ort sind sie eine wichtige Ergänzung zu den vorgeschlagenen Maßnahmen“, erklärt Glanz.
„Der Vorfall an der Ernst-Reuter-Schule in Groß-Umstadt ist ein Warnsignal und kann ein Weckruf sein. Die Antwort auf Hass und Menschenfeindlichkeit darf niemals Wegsehen sein.
Unsere Antwort auf einen solchen Vorfall muss mehr Demokratiebildung, mehr Beteiligung und mehr Zusammenhalt sein“, so die Fraktionsvorsitzende.