Beschlussvorschlag im Kreistag am 09.11.2026 (hier der Antrag Schadstoffeintrag vermindern):
Der Kreistag möge beschließen:
Der Kreisausschuss wird beauftragt,
1. mit dem „Dialogforum Spurenstoffe im Hessischen Ried“ Kontakt aufzunehmen und Maßnahmen zu erarbeiten, durch die der Eintrag von Spurenstoffen in die Gewässer im Landkreis Darmstadt-Dieburg verringert werden kann. Insbesondere sollen dabei die Bereiche Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Einrichtungen im Gesundheitsbereich Beachtung finden,
2. dabei mit allen Kommunen im Landkreis zusammenzuarbeiten und dafür zu werben, dass sich die Kommunen im Ried als Modellkommunen Spurenstoffe bewerben und
3. dem Kreistag bis Ende 2027 einen Bericht vorzulegen, in dem dargestellt wird, in welcher Form die Zusammenarbeit mit dem Dialogforum erfolgt und welche Maßnahmen umgesetzt wurden bzw. geplant sind.
Begründung:
Im Hessischen Ried werden 25 Prozent des gesamten Trinkwassers von Hessen gewonnen. Die Fließgewässer enthalten durch die hohe Bevölkerungsdichte einen großen Anteil an gereinigtem Abwasser. Aufgrund der starken Belastung des Abwassers mit Spurenstoffen werden in den Kläranlagen in den Kommunen zunehmend sog. ‚Vierte Reinigungsstufen‘ gebaut, was mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Doch auch damit gelingt es nicht, alle grundwasserbelastenden Spurenstoffe wie Pflanzenschutzmittel, Biozide, Arzneistoffe sowie Haushalts- und Industriechemikalien aus dem Abwasser zu reinigen.
Somit gelangen diese in die Fließgewässer und aufgrund der durchlässigen Böden ins Grundwasser.
https://www.reines-ried.de/#hintergrund
Deshalb ist es wichtig, Einträge von Spurenstoffen sowohl ins Abwasser als auch in andere Pfade zu Gewässern möglichst weit zu minimieren.
Es gibt z. B. bestimmte Arzneistoffe wie Diclofenac oder Antibiotikagruppen, die eine starke Belastung für die Gewässer darstellen, aber manchmal durch andere, für die Gewässer weniger belastende Arzneimittel, ersetzt werden könnten.
Allein durch Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für diese Problematik, z. B. in Gesundheitseinrichtungen und ein dadurch geändertes Verordnungs- und Anwendungsverhalten könnte die Gewässerbelastung reduziert werden. Da der Landkreis mit den Kreiskliniken und den MVZ verschiedene Gesundheitseinrichtungen betreibt, könnte er mit Hilfe des „Dialogforum Spurenstoffe im Hessischen Ried“ zur Sensibilisierung beitragen und somit mit geringem (Kosten)Aufwand einen weiteren Beitrag zum Gewässerschutz leisten. Eine mögliche Maßnahme könnten z.B. Vorträge von Fachleuten, die in diesem Bereich forschen und anderweitig tätig sind, bei den Mitarbeitenden der Gesundheitseinrichtungen oder einer anderen Zielgruppe sein.
Modellkommunen Spurenstoffe
Zur Initiierung und Umsetzung der Maßnahmen sind die Kommunen im Hessischen Ried zentrale Akteure. Sie sind entscheidend für die Information und die Sensibilisierung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Akteuren hinsichtlich der Spurenstoffproblematik und für die Umsetzung konkreter Maßnahmen.
Erwartungen an die Kommunen
Das Land Hessen, vertreten durch das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU), erwartet von den beteiligten Modellkommunen, dass sie eine Vorbildfunktion für die Minderung von Spurenstoffeinträgen in die Gewässer einnehmen. Die Kommunen sollen aktiv Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und Interessenverbände für die Verringerung von Spurenstoffeinträgen gewinnen. Dafür kann die Kommune die ausgearbeiteten Maßnahmenvorschläge aus den Projektgruppen des Dialogforums aufnehmen und umsetzen sowie eigene Aktivitäten initiieren.
https://www.reinesried.de/downloads/Hessisches%20Ried_Dialogforum%20Spurenstoffe_Modellkommunen_Anforderungsprofil.pdf