Sperrung der Riedbahn

Redebeitrag im Kreistag am 25.09.2023
Von Martin Tichy, Fraktionsmitglied Bündnis 90/Die GRÜNEN
(Es gilt das gesprochene Wort.)

TOP 16
Vorlage 3309-2023/DaDi
Sperrung der Riedbahn: Regional- und Nahverkehr so weit wie möglich sicherstellen – Antrag GRÜNE


Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

ab dem 15. Juni nächsten Jahres wird die Riedbahn im Zuge einer Vollsperrung komplett saniert und modernisiert. Dies ist überfällig und richtig. Wir erleben eine Operation am Herzen des deutschen Schienennetzes, für die es bisher kein Beispiel gibt.

Bisher hat die DB nur Schnellfahrstrecken unter Vollsperrung saniert, jetzt geht es um Strecken, die intensiv vom Nah- und Regionalverkehr mit genutzt werden. Die Einschränkungen für die Fahrgäste werden erheblich und massiv sein, nicht nur auf der Riedbahn. Grund dafür ist, dass auf die Umleitungsstrecken Mainz−Worms−Mannheim und Frankfurt−Darmstadt−Heidelberg in der Hauptverkehrszeit schon heute kein zusätzlicher Zug mehr passt. Was im Umkehrschluss bedeutet: Für mehr Fernverkehr auf diesen Strecken muss der Regionalverkehr Trassen, also Zugverbindungen abgeben. Die Auswirkungen betreffen dabei nicht nur die Linien RB60; 67 und 68 sowie die S-Bahn, sondern auch Bahnen, die nur Abschnitte der Rhein-Neckar-Bahn nutzen, wie Dreieich- und Odenwaldbahn- und RB75 − damit die gesamte Region.

Wer glaubt, die Auswirkung der Vollsperrung und deren Organisation sind alleine eine Angelegenheit der DB, der liegt falsch. Für den Regional- und Nahverkehr sind wir zuständig, es sind unsere Fahrgäste und unsere Einnahmen, die betroffen sind. Auch wenn der RMV die Schienenverkehrsleistungen organisiert, ist es auch die Aufgabe der Politik, alles zu unternehmen für einen möglichst zuverlässigen Schienenverkehr und für Akzeptanz bei unseren Fahrgästen zu sorgen. Nicht zuletzt deshalb, weil unsere Fahrgäste häufig noch auf den Bus umsteigen um ihr Ziel zu erreichen. Unpünktliche Züge, verpasste Anschlüsse führen zu Frust, Ärger und Abwanderung von Fahrgästen, die wir nach der Pandemie mühsam wieder zurückgewonnen haben. Die Verantwortlichen in den Kreisen Groß-Gerau, Bergstraße und Mainz-Bingen haben das auch bemerkt und sind mit den bisher bekannten Ersatzverkehrsplanungen und Kommunikation der DB nicht zufrieden.

Mit unserem Antrag wollen wir noch bevor die DB ihr endgültiges Angebotskonzept zum Ende des Jahres fertig und veröffentlicht hat einen kreisübergreifenden Prozess anstoßen. Ziel ist eine Vereinbarung für einen möglichst ZUVERLÄSSIGEN Schienenverkehr UND eine möglichst gute KOMMUNIKATION.

Zuverlässig heißt, pünktliche Züge und dass pünktliche Züge Vorrang vor unpünktlichen haben. Zuverlässig heißt auch, alle Fahrgäste erhalten stets einen Platz im Zug. Dass beides nicht selbstverständlich ist, kann jeder bestätigen, der die Schienen nach Frankfurt nutzt, egal mit welcher Regional- oder S-Bahnlinie.

Der andere Punkt ist die Kommunikation, Koordination und Kooperation zwischen DB, dem Regionalverkehr und unseren Fahrgästen. Die DB verkauft sich gut, doch was die „drei K‘s“ angeht, besteht aus unserer Sicht noch viel Luft nach oben. Hier sind zusätzliche Anstrengungen erforderlich. Zum Beispiel eine zentrale Anlauf- und Ansprechstelle mit Namen und Gesicht und nicht nur eine Hotline oder Homepage.

Das Ziel unseres Antrags ist keine einseitige Vereinbarung zu Lasten der DB, sondern es erfordert auch von unseren Partnern im Schienenverkehr, dem RMV und den beauftragten Verkehrsträgern noch einiges an Anstrengungen. Die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit von Odenwaldbahn und RB75 sind ein anhaltendes Problem und Ärgernis. Auch hier nochmal der Hinweis: Es sind unsere Fahrgäste, deren Schicksal wir nicht allein DB und RMV überlassen können und wollen.

Letzter Punkt aus der Vorberatung: Weil es die erste Vollsperrung dieser Art ist, sollte die DB ein größtes Interesse an einem möglichst reibungslosen Ablauf auch für die Fahrgäste habe, und man solle und könne deshalb abwarten. Nein.

Wie erwähnt, haben andere schon erkannt, dass das, was die DB bisher präsentiert hat, nicht ausreichen wird. Wer auf die Homepage der DB zur Sperrung der Riedbahn geht, findet viele technische Informationen. Zu den Auswirkungen für die Fahrgäste auf den Umleitungsstrecken findet sich nichts. Wenn die DB gut vorbereitet ist, dann wird es doch ein Leichtes sein, schnell zu einer öffentlichen Vereinbarung zu kommen.

Wenn nicht, dann kommt unser Antrag gerade noch rechtzeitig.
Im Interesse unserer Fahrgäste bitten wir um Zustimmung zu unserem Antrag.