HH: Kliniken, Medizinische Versorgung

Kreistag 09.12.2019
Marianne Streicher-Eickhoff

 

Sehr geehrte Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren,

ein nicht unerheblicher Teil unserer Finanzmittel ist durch unsere Leistungen für die medizinische Versorgung gebunden.

Die jährlichen Verluste bewegen sich auf stabilem Niveau: ca. 6 Millionen €

Die Prognosen beruhen zu einem großen Teil auf dem Prinzip Hoffnung.

Dabei würdigen wir ausdrücklich die Bemühungen – und auch die Erfolge – der Klinikleitung um Verbesserung der Ertragssituation.

Wir nehmen aber auch die Berichte über die zunehmenden bundesweiten Erschwernisse bei der Sicherstellung einer wohnortnahen medizinischen Versorgung zur Kenntnis.

Das herkömmliche Krankenhaus der Regelversorgung, ob als Kreisklinik oder Krankenhaus eines klassischen Trägers von sozialen Dienstleistungen scheint nicht überlebensfähig. Der Trend geht zu hochspezialisierten Medizinischen Zentren und zur ambulanten Versorgung.

Spitzenmedizin wird freilich nur zentral überörtlich angeboten werden können. Eine drastische Reduzierung von Klinikstandorten wird vorhergesagt.

Aber auch zukunftsfähige ambulante Versorgung, erfordert Spezialisierung und einen erweiterten Einzugsbereich, der die Wirtschaftlichkeit sicherstellt.

Eine Standortplanung hinsichtlich der von uns vorgesehenen ambulanten Versorgungszentren verdient deshalb u. E. höchste Priorität. Wir nehmen zwar zur Kenntnis, dass oft spontan Chancen ergriffen werden müssen;

eine vorausschauende Strategie wäre aber wünschenswert.

Möglicherweise ist sie vorhanden – soll aber aus Wettbewerbsgründen nicht öffentlich diskutiert werden. Dem politischen Klima und den Entscheidungsprozessen ist das allerdings nicht immer förderlich.

Hinzu kommen Erschwernisse, aufgrund sich ändernder Lebensentwürfe von potenziellem medizinischem Personal. Das bedingt höhere Personalkosten, Einnahmeausfälle durch fehlendes Personal und erhöhten Organisationsaufwand für den personellen Einsatz.

Einzelpraxen im ländlichen Raum sind zunehmend unattraktiv, selbst private Berufsausübungsgemeinschaften ziehen sich zurück.

Es ist verständlich und anerkennenswert, dass der Landkreis diese entstehende Lücke frühzeitig erkannt hat, und versucht zu schließen. Zu diesem Zweck kaufen wir freie Arztsitze und gründen medizinische Versorgungszentren sowohl im fachärztlichen als auch im hausärztlichen Bereich.

Der Landkreis steigt damit –freiwillig – in Geschäftsfelder ein, die zwar Chancen bieten, aber auch recht risikoreich sind. Das muss er nicht tun!

Er leistet damit einen wesentlichen Beitrag für die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden.

Das hat selbstverständlich seinen Preis, die Businesspläne weisen allesamt Anfangsverluste aus  – und die Realität bestätigt sie.

Auch deshalb sehen wir Grünen keinen Anlass, die eingeplante Kreisumlage zu reduzieren.

Insbesondere die Facharztpraxen mit ambulanten Operationsangeboten waren als Ertragsgaranten vorgesehen. Aus von der Geschäftsführung dargelegten und nachvollziehbaren Gründen, ist der Erfolg bisher jedoch ausgeblieben. Nach Anfangsverlusten soll es besser werden – Prinzip Hoffnung!

Aufgrund der Kenntnis über das Umstrukturierungserfordernis unterstützen wir jedoch die Entwicklung trotz der heute zur Beschlussfassung anstehenden, wenig erfreulichen Zahlen.