Redebeitrag im Kreistag am 09.02.2026
Von: Hans Menningmann, Mitglied Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
TOP 19: Vorlage 6320-2026/DaDi, MVZ erhalten – Antrag VIE
Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Kreistagsvorsitzende,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
das berichtete Defizit des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im Landkreis Darmstadt-Dieburg wird von der Geschäftsführung vornehmlich mit zu geringen Fallzahlen sowie einer nicht kostendeckenden Vergütung durch die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen begründet.
Diese Darstellung weist auf strukturelle Finanzierungsprobleme hin, die sowohl externe Rahmenbedingungen als auch interne Leistungsstrukturen betreffen. Der Vorschlag der Fraktion Vielfalt, das Problem in erster Linie durch ärztliche Gewinnbeteiligung zu lösen, zielt darauf ab, ökonomische Anreize zu schaffen und damit Motivation und Produktivität zu erhöhen. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass ein solcher Ansatz impliziert, die niedrige Effizienz liege primär an der Arbeitsauffassung der angestellten Ärzte – also an zu langsamer Arbeitsweise oder mangelndem Verantwortungsbewusstsein.
Diese Annahme kann nicht ohne Weiteres übernommen werden und entspricht ganz bestimmt nicht den Tatsachen. Solche Anreize könnten personalpolitische Spannungen hervorrufen und ggf. unerwünschte Signale setzen, etwa eine Fokussierung auf Quantität statt Qualität der Versorgung.
Als vorrangige und risikoärmere Maßnahmen bieten sich daher strukturelle Verbesserungen der Praxisorganisation an. Effizientere Terminverwaltung, optimierte Patientenfluss-Steuerung, digitale Termin- und Dokumentationssysteme sowie standardisierte Behandlungsabläufe können die Auslastung erhöhen, Wartezeiten reduzieren und die Behandlungszeit pro Fall zuverlässiger planen. Zusätzlich sind regelmäßige Prozessanalysen, Fortbildungen für Praxispersonal und eine bessere Steuerung der Patientenzuweisungen sinnvoll.
Auch eine kritische Prüfung von Vertragsmodalitäten mit Kostenträgern sowie eine aktive Akquise kooperationsfähiger Überweisungspartner können langfristig zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit beitragen.
Insgesamt empfiehlt sich ein ausgewogener Ansatz: kurzfristig organisatorische Effizienzsteigerungen umsetzen, mittelfristig Vergütungs- und Kooperationsmöglichkeiten mit den Kostenträgern prüfen und bei Bedarf zielgerichtete, transparent gestaltete Anreizmodelle diskutieren, die Qualität und Patientensicherheit nicht gefährden.