Partnerschaft für den Reservedienst der Bundeswehr

Redebeitrag im Kreistag am 09.02.2026
Von: Hans Menningmann, Mitglied Kreistagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
TOP 15: Vorlage 6302-2026/DaDi, Partnerschaft für den Reservedienst der Bundeswehr – Antrag SPD, CDU
Es gilt das gesprochene Wort.


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frau Wucherpfennig,

als Kriegsdienstverweigerer aus ethisch-moralischer Überzeugung habe ich mich einst klar und bewusst gegen das Tragen von Waffen und Anwenden tödlicher Gewalt entschieden.

Diese Haltung habe ich weiterhin. Zugleich hat sich meine Sicht auf die Realität von Krieg und Gewalt aber auch verändert. Die systematische und grausame Gewalt gegen die ukrainische Bevölkerung durch einen sadistischen destruktiven Despoten hat mir gezeigt, dass eine rein pazifistische Haltung allein nicht ausreicht, um mörderische Aggressionen zu verhindern.

Aus dieser Erfahrung heraus habe ich meine Erwartung von einem einfachen „Nie wieder Krieg“ nicht mehr in derselben Unschuld bewahrt. Das ist schmerzhaft und widerspricht nicht meinem tiefen Wunsch nach Frieden und Gewaltlosigkeit; es bedeutet, dass ich die Verantwortung, die unsere demokratische Gemeinschaft hat, realistisch sehen muss.

In diesem Spannungsfeld zwischen Prinzipien und Realität sehe ich meine Position.

Meine Unterstützung für Soldatinnen und Soldaten drückt sich nicht in uneingeschränkter Befürwortung von militärischer Aktion aus, sondern in konkreter, ziviler Solidarität. Diese Sichtweise ist mir als Arzt besonders wichtig.

Viele Menschen in unserer Gesellschaft, die keinen Dienst als Soldaten leisten können und wollen, leisten durch therapeutische, pflegerische oder organisatorische Hilfe, auch ehrenamtlich, einen Beitrag. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement ist für mich Ausdruck von demokratischer Verantwortung, Menschlichkeit und Widerstand gegen das Primat des Militärischen ohne militärisches Handeln im Notfall als Notwehr abzuwerten.

Ich werbe für eine Politik und Praxis, in der humanitäre Hilfe und zivilgesellschaftliche Unterstützung gleichwertig neben der militärischen steht. Und das sollte in der Resolution deutlicher artikuliert werden.

In dieser Balance zwischen Prinzip und Pragmatismus liegt meine Solidarität und meine moralische Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten. Wir müssen uns aber immer klarmachen, das Militärische ist nichts, was zu verherrlichen ist oder überhöht werden sollte, sondern nur ein notwendiges Übel.

Und dieser Punkt kommt uns in der Resolution von SPD und CDU zu kurz.